Europäische Kulturroute Festungsmonument - FORTE CULTURA®


Festung Rüsselsheim Deutschland

Von der gräflichen Burg zur Hessischen Landesfestung

Frühneuzeitliches Festungserbe trifft Industriekultur des Mainvorlandes

Die spannende Geschichte der Festung Rüsselsheim beginnt im Jahr 1399, als die Grafen von Katzenelnbogen mit dem Bau einer Burg ihre Position beiderseits des Untermain festigen wollten. Später gelangten die Landgrafen von Hessen in den Besitz von Rüsselsheim und errichteten um die ehemalige Burg herum eine vierflügelige Festungsanlage mit Wällen, Gräben und Rondellen.

Rüsselsheim wurde neben Kassel, Gießen und Ziegenhain eine der vier hessischen Landesfestungen und nahm während der Kriege und Auseinandersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts eine zentrale Rolle ein. Während des Schmalkaldischen Krieges ließ Landgraf Philipp I.von Hessen, genannt der Großmütige, hieraus sein Heer koordinieren. Die Schweden nutzten Rüsselsheim im 30-jährigen Krieg als Basis für ihr Vorgehen gegen die Festung Mainz. 1689 beendeten die Franzosen die militärische Karriere der Festung Rüsselsheim, als sie Teile der Anlage bei ihrem Abzug sprengten.

Vielfältige Nutzungen folgten, bis die Stadt Rüsselsheim 1954 die Festungsruine vom Land Hessen erwarb und sie in den 1990er Jahren aufwendig restaurierte.
Besucher*innen können in der Festung seit 1976 im Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim die Geschichte der Stadt, der Festung und des größten Industrieunternehmens von Rüsselsheim erleben, im historischen Ambiente des Festungskellers feiern und Konzerten lauschen oder sich im „Café in der Festung“ stärken. Das Stadtarchiv Rüsselsheim und der Heimatverein Rüsselsheim haben ebenfalls ihren Platz in der Festung gefunden.

Die Anlage ist barrierefrei und gut mit öffentlichen Verkehrsmittel erreichbar. So kann man mit den Zügen S8 oder S9 den Bahnhof Rüsselsheim erreichen und von dort aus durch die Bahnhofstraße und den Verna-Park zur Festung gelangen. Zu Fuß braucht man für die Strecke etwa fünfzehn Minuten. Vom Bahnhof aus kann man auch die Buslinien 1, 31 und 51 des RMV nehmen und bei der Haltestelle „Parkschule“ aussteigen. Von dort dauert es zu Fuß nur drei Minuten bis zur Festung.
Gegenüber der Festungsanlage befinden sich das lokale Zentrum für Kunst in den Opel-Villen, benannt nach der Industriellenfamilie, als Symbol einer Dynastie der Industriekultur, die mit ihrem Werk Stadt und Region maßgeblich geprägt hat. Mit den beiden Hochbunkern aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges auf dem Werksgelände der Adam Opel AG finden sich weitere spannende Spuren der „architectura militaris“ in der Stadt Rüsselsheim.

FORTE CULTURA® Reiseempfehlungen

Erlebnisangebote

Festungsanlage mit Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim

2_©Frank_Möllenberg_Stadt-_und_Industriemuseum_Rüsselsheim.jpg

Das vierflügelige Gebäudeensemble der frühneuzeitlichen Festungsanlage birgt heute das historische Gedächtnis von Rüsselsheim. Das Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim, welches 1979 mit dem Museumspreis des Europarates ausgezeichnet wurde, folgt in seiner Konzeption der Verbindung aus Technik- und Sozialgeschichte.
Die museale Entdeckungsreise beginnt bei den ersten Spuren menschlichen Wirkens in der Region. Die Festungsgeschichte selbst startet mit dem Aufstieg der Grafen von Katzenelnbogen im Mittelalter. Die von 2013 bis 2017 neu gestaltete Dauerausstellung gibt mit einem multimedial gestalteteten Festungsmodell einen Einblick in die verschiedenen Entwicklungs- und Bauphasen, aber auch in das Leben in und mit der Festung. Weitere Schwerpunkte des Museums sind das Handwerk, die Geschichte der Industrialisierung (u.A. Adam Opel AG) und ihre Herausforderungen für die Rüsselsheimer.
Im Nordflügel der Festungsanlage widmet sich eine Ausstellung der Stadt- und Werksgeschichte, von der Nachkriegszeit bis heute.
Das Museum bietet außerdem wechselnde Kunst- sowie kultur- und technikgeschichtliche Sonderausstellungen an. Jährlich werden hier auch verschiedene Mitmachaustellungen gezeigt, die sich besonders an Familien mit Kindern richten. Ein abwechslungsreiches Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie inklusive Veranstaltungen für Menschen mit Handicap runden das Angebot des Museums ab. Darüber hinaus stehen für eine individuelle Erkundung der Festung auch Media-Guides mit einem unterhaltsamen und informativen Festungsrundgang zur Verfügung.

©Gerhard Otto_Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim ©Frank Möllenberg_Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim

Haupttor mit Wachstube, Torturm und Schlossrondell

5_©Udo_Koranzki_Stadt-_und_Industriemuseum_Rüsselsheim.jpg

Erreichbar ist die Festung Rüsselsheim über das Haupttor gegenüber der Opelvillen.

An das Haupttor grenzt auch das Schloss-Rondell, eine von fünf Bastionen der viereckigen Festungsanlage.

Wachstube Schlossrondell

Großer Festungshof

10_©Stadtarchiv_Rüsselsheim.jpg

Der vierflügelige Gebäudekomplex bildet in seiner Mitte den Großen Festungshof. Das Pflaster des Festungshofes lässt heute den Standort und Grundriss der mittelalterlichen Burg der Grafen von Katzenelnbogen erkennen, die den historischen Kern der späteren Festung Rüsselsheim bildete. Heute bietet der Festungshof Platz für Kulturveranstaltungen oder den beliebten Kunsthandwerkermarkt, der jährlich am ersten Advent-Wochenende stattfindet.
Das „Café in der Festung“ hält hier für seine Gäste auch lauschige Plätze unter freiem Himmel sowie Frühstücksbuffets und einen wöchentlich wechselnden Mittagstisch bereit.

Brunnenstube

8_©Helmut_Landerer_Stadt-_und_Industriemuseum_Rüsselsheim.jpg

Unterhalb der Kasematte an der Westbastion befindet sich im inneren Wehrgraben die Brunnenstube. Der Raum wurde aufwendig restauriert und zeigt eine kleine Ausstellung archäologischer Funde aus dem Festungsgraben. Die ursprüngliche Funktion dieses Teils der Festung gibt den Forschenden bis heute Rätsel auf. Die Brunnenstube kann im Zuge einer Festungsführung besichtigt werden.
Brunnenstube

Westrondell mit Aussichtsplattform

11_©Stadtarchiv_Rüsselsheim.jpg

Ab 1507 statteten die hessischen Landgrafen die Erdwälle der Festungsanlage mit wehrhaften, zweistöckigen Rondellen aus. Von einer Aussichtsplattform bietet sich dem Besucher*innen ein wunderbarer Blick über das Vorfeld der Anlage und den Main bis hin zu den Höhen des Taunus. Vom begehbaren Wall aus erhält man zudem einen guten Überblick über die gesamte Festung.


begehbarer Festungswall

Ostrondell

14_©Udo_Koranzki_Stadt-_und_Industriemuseum_Rüsselsheim.jpg

Das Ostrondell, auch Haßlocher Rondell, war ursprünglich einer von 5 Geschütztürmen. Diese Geschütztürme dienten während des Dreißigjährigen Krieges auch der Unterbringung der Soldaten, inklusive ihrer Frauen und Kinder.
Bei den vom Museum organisierten Führungen kann man einen lebendigen Eindruck von den Zuständen in den Festungskasematten und Bastionen gewinnen.
Das Ostrondell kann auch außerhalb der Öffnungszeiten des Museums besichtigt werden.

Festungskeller

15_©Festungskeller_Rüsselsheim.jpg

Die beiden Gewölbekeller der Festung Rüsselsheim verleihen als Eventlocation Veranstaltungen und Feiern einen außergewöhnlichen Rahmen in historischem Ambiente. Variierende erlebnisgastronomische Angebote wie Krimidinner, Themenfrühstücke aber auch Konzerte bereichern das Rüsselsheimer Kulturleben. Der kleine Festungskeller bietet mit seinen Natursteinwänden einen rustikalen Rahmen. Die hellen Kreuzgewölbe des großen Festungskellers bieten Platz für große Gesellschaften. Das „Café in der Festung“ im Parterre des Festungsmuseums und im Festungshof lockt mit leckerem Frühstück, zu Kaffee und köstlichen Kuchen oder zu einem schönen Glas Wein.
Der Rüsselsheimer Folk- und Jazzclub „Dorflinde“ veranstaltet hier regelmäßig Konzerte.

Luftschutzbunker-Hochbunker (LSB 1400)

16_©Stadt-_und_Industriemuseum_Rüsselsheim.jpg

Zwei baugleiche Luftschutz-Hochbunker entstanden 1943/1944 auf dem Werksgelände der Adam Opel AG. Als „kriegswichtiger Betrieb“, der in dieser Zeit überwiegend für das Militär und unter Einsatz von Zwangsarbeitern produzierte, erhielt das Werk damit die Möglichkeit bis zu 2800 Personen vor Luftangriffen zu schützen. Der Bunker „H40“ (Schuh-Bunker) in der Weisenauer Straße ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Der Hochbunker„D 20“ (Cola-Bunker) unweit des Opel-Hauptportals kann heute bei Führungen besichtigt werden. Auch die originale Ausrüstung und Einrichtung des Bunkers blieb in Teilen erhalten.
Über das Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim in der Festung werden feste Termine für geführte Besichtigungen des Hochbunkers im Opelgebäude (D 20) angeboten. Da es bei den Führungen eine begrenzte Teilnehmerzahl gibt, muss man vorab reservieren.

Teilnahmebeitrag: 160€ pro Gruppe (max. 20 Personen)
Kontakt/Kartenvorverkauf: Museum Telefon +49-(0)6142 83-2950

Hochbunker Rüsselsheim Hochbunker Rüsselsheim

Touren und Informationen

Festung für Groß und Klein

Bollwerk der Landgrafen - Festungsführung

Die Festung im Fackelschein – stimmungsvolle Nachtführungen durch die Festung Rüsselsheim (feste Termine oder individuell buchbar)

Festungsrallye - Ritter, Rätsel und Ruinen – Ein Festungsabenteuer des Stadt- und Industriemuseums für Kinder (Grundschüler)


Museumsführungen mit verschiedenen Schwerpunkten

Museumsführungen - vielfältige Themen und Angebote

Rüsselsheim - Alles was man wissen muss – Museumsführung 100.000 Jahre im Zeitraffer

Rüsselsheim - Stadtmuseum inklusive – Angebote für Menschen mit Handicap

Mit allen Sinnen lernen und erleben - mehrsinnliche und mehrstufige Führungsangebote für Ausstellung und Festung – Angebot für Förderschulen, inklusiv arbeitende Grundschulklassen und andere Gruppen

Auf den Spuren der Landsknechte - Museumsführungen für Blinde und Menschen mit Sehbeeinträchtigung – Mehrsinnliche Führung in der Festung für Blinde und Sehbeeinträchtige

Von Werkbänken, Dampfmaschinen und Zichorienkaffee - Museumsführungen für Blinde und Menschen mit Sehbeeinträchtigung

Angebote für Kinder und Jugendliche / Schulen

Festungsrallye - Ritter, Rätsel und Ruinen – Ein Festungsabenteuer des Stadt- und Industriemuseums für Kinder (Grundschüler) mit Zusatzmaterial

Studientage (für Schüler*innen der Sekundarstufe II) Industrialisierung/Globalisierung/Jüdisches Leben in Rüsselsheim


Standortplan

Noch mehr SEO

Monument und Geschichte

Geschichte

Die spannende Geschichte der Festung Rüsselsheim hat ihren Ursprung im 1399 erstmals urkundlich erwähnten „festes Haus“ der Grafen von Katzenelnbogen, die ihre Position beiderseits des Untermain festigen wollten. Den Grundriss der mehr als 600-jährigen, mittelalterlichen Burg der Grafen finden aufmerksame Besucher heute im Pflaster des Festungshofes. Die Landgrafen von Hessen kamen 1479 durch eine Erbschaft des inzwischen in männlicher Linie der Grafenlinie ausgestorbenen Grafengeschlechts in den Besitz von Rüsselsheim. Von diesem Zeitpunkt an errichteten sie um die ehemalige Burg eine vierflügelige Festungsanlage mit Wällen, Gräben und ab 1507 mit fünf Rondellen, die um 1540 fertiggestellt wurde.
Die Kriege und Auseinandersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts gingen an Rüsselsheim und seiner Festung nicht spurlos vorüber. Die Festung Rüsselsheim nahm dabei als eine von vier hessischen Landesfestungen eine zentrale Rolle ein. Der protestantische Landgraf Philipp I. von Hessen (1504 - 1567), genannt der Großmütige ließ von hier sein Heer während des Schmalkaldischen Kriegs (1546/1547) koordinieren. Nach der Niederlage der protestantischen Fürsten musste die Festung auf Befehl von Kaiser Karl V. (1500 -1558) geschleift werden, sprich ihre Befestigungsanlagen abgetragen werden, doch wurde sie einige Jahre später wiederaufgebaut. Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) machte die Festung Rüsselsheim für zwei Jahre zu einer Bastion der Schweden für Gefechte um die Festung Mainz. Nach dem Tod des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf (1594 - 1632) und der Fertigstellung ihrer eigenen Festung Gustavsburg im Jahr 1634 zogen sich die schwedischen Kräfte schließlich wieder aus Rüsselsheim zurück. Der Pfälzische Erbfolgekrieg von 1689 führte für die Festung Rüsselsheim nach der Besetzung und baldigen Sprengung von großen Teilen der Anlage durch französische Truppen im Jahr 1689 militärisch zum Bedeutungsverlust. Bevor die Festungsruine 1954 von der Stadt Rüsselsheim erworben wurde, diente sie zwischenzeitlich u. A. als Invalidenhaus, Gefängnis, Lazarett, Champignonzuchtgelände und Jugendherberge.

Quelle: © Wikipedia Commons
Quelle: ©Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim Zug der Landsknechte, Detail (Ölgemälde 1928, Hans Waldhausen) 28_©Stadt- und Industriemuseum.jpg

Architektur

Der Grundriss der mehr als 600-jährigen, mittelalterlichen Burg der Grafen von Katzenelnbogen ist im Pflaster des Festungshofes heute erkennbar. Die Dauerausstellung des in der Festung situierten Museums gibt mit einem multimedialen Festungsmodell einen Einblick in die verschiedenen Entwicklungs- und Bauphasen der Anlage. Die vierflügelige Festungsanlage mit Wällen, innerem und äußerem Festungsgraben verfügte ab 1507 über insgesamt fünf Rondelle. An das Haupttor mit Zwingeranlage grenzt das Schloss-Rondell. Die vier Ecken der Festungsanlage erhielten 2-stöckige Geschütztürme, in denen die Festungsbesatzung teilweise hausen musste.

Festungseingang um 1806 - 1811 (Graphitzeichnung, Leopold Stein) Festungsgraben 1828 (Aquarell, Aquarell Morgenstern) Schlossrondell 1829 (Aquarell, Carl Morgenstern) Torhaus 1900 Südflügel 1957 Luftbild Festung Rüsselsheim

Quelle: ©Stadtarchiv Rüsselsheim
Quelle: © Udo Koranzki
Quelle: ©Frank Möllenberg Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim
Quelle: ©Udo Koranzki Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim

Naturerlebnis

Das Mainvorland, in dem sich die Festung Rüsselsheim befindet, entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Naherholungsraum mit Parklandschaften und Spiel- und Sportangeboten. Unweit der Festung befindet sich der Verna-Park (Stadtpark), ein Kleinod, angelegt als romantischer Garten im Stil englischer Landschaftsgärten. Viele botanische Besonderheiten, Exoten, eine Vogelvoliere, eine kleine, künstliche Mühle, künstliche Burgruinen, ein Teich, Ruhe- und Spielzonen machen den Parkt zu einem beliebten Erholungsgebiet in der Stadt.
Das Stadt- und Industriemuseum bietet regelmäßig auch naturkundliche Stadt-, Park- und Festungsführungen an, die „alle Sinne“ ansprechen. Eine weitere Verbindung zwischen Natur im Mainvorland und dem Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim schafft der „Kunstpfad Mainvorland“ - mit Kunst im öffentlichen Raum.

Quelle: ©Frank Hüter / Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim
Quelle: ©Frank Hüter / Stadt Rüsselsheim

Partner