Europäische Kulturroute Festungsmonument - FORTE CULTURA®


Die Queichlinien Deutschland

Auf den Spuren europäischer Geschichte in der Südpfalz

Einzigartige Kulturlandschaft zwischen historischem Erbe und Naturschutz

Die Queichlinien wurden als Feldbefestigungen im Österreichischen Erbfolgekrieg ab 1743 von Annweiler über Landau bis zum Rhein erbaut. Östlich von Queichheim wurde die Queich 1744/45 vollständig umgeleitet. Für großflächige Überschwemmungen wurden ca. 30 Dämme mit vorgelagerten Schanzen errichtet. Die Linien wurden von französischen Militäringenieuren (u.a. Cormontaigne) geplant. Mit Beginn der Revolutionskriege 1792 wurden die Umwallungen von Offenbach, Ottersheim und Bellheim mit Schanzen verstärkt und in Hördt eine Redoute erbaut, deren Graben noch heute die Umrisse der Anlage zeigt. Als das linke Rheinufer Teil Frankreichs geworden war, verloren die Queichlinien ihre militärische Bedeutung.

Erlebnisangebote

Queichlinie

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Das Erbe der Queichlinie, die 1814 kurzzeitig sogar die Deutsch-Französische Grenze bezeichnete, pflegt der Kulturverein Bellheim e.V. in den Räumen des nahen „Alten Sägewerks“, dass zusammen mit der Mittelmühle (heute im Privatbesitz) zum Gesamtkomplex der Schanze gehörte. Sie bietet heute ein lebendiges Bild der Ausdehnung und dem Aufbau dieser militärischen Anlagen.

Schanze an der Mittelmühle

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Die Hilfe des Denkmalschutzes und dem Kulturverein Bellheim wurde die Schanze an der Mittelmühle rekontruiert, sowie Gräben und Befestigungen entlang der Gewässer wieder erlebbar gemacht. Gut erhalten ist bis heute auch der sogenannten „Digue de Conti“, eine Geländestufe am Zusammenfluss von Spiegelbach und Mühlbach östlich von Bellheim.

Alte Schanze Bellheim

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Ottersheimer Teilungswehr und Flutmulde der Queich im Bellheiner Wald

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Das Ottersheimer Teilungswehr wurde 1772 als „Herrschaftliches Wehr“ gegründet. Es spaltet seit dem 18. Jh. dort das Wasser des künstlichen Spiegelbachs von der Queich im Verhältnis 2/5 zu 3/5 ab. Während der Spiegelbach vorbei an der Knittelsheimer Mühle nach Bellheim führt, plätschert das Wasser der Queich in nördlich Richtung weiter nach Zeiskam. Die Regelungen zur Aufteilung des Wassers sind bereits in der „Kurpfälzischen Queichbachordnung“ von 1784 schriftlich geregelt. Die Ziffern an den Querquadern bezeichnen die Nummern der Schlüssel, die zu den Wässertagen dem Wasserwart erlaubten, die Wehre zu entriegeln. Sie waren beim Oberamt Germersheim zu hinterlegen.

Bewässerte Queichwiesen - Immanterielles Kulturerbe

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Die Queichwiesen sind öffentlich zugänglich und können selbständig erkundet werden. Aber wie die Wiesenbewässerung in der Praxis funktioniert, welche Besonderheiten in Flora und Fauna die Wässerwiesen zu bieten haben, erfahren Sie am besten bei einer geführten Exkursion. Die Themen der Exkursionen sind vielfältig und enthalten je nach Ort, Zeitpunkt und Referenten unterschiedliche Schwerpunkte: Bewässerungstechnik, Bedeutung für die Landwirtschaft, historische Aspekte, Flora und Fauna, Beobachtung von Störchen, Immaterielles Kulturerbe.

Die meisten Führungen finden während einer Bewässerung statt. Diese folgt grundsätzlich einem festen Zeitplan. Ob aber zu den jeweiligen Exkursionsterminen tatsächlich bewässert wird, kann nicht garantiert werden. Die Bewässerung fällt bei zu geringem Wasserstand der Queich oder aufgrund landwirtschaftlicher Erfordernisse aus. Manchmal werden auch Termine zwischen den Gemeinden getauscht.

Touren und Informationen

Wandern und Spazieren rund um die Queich - auf gut beschilderten Wegen unterwegs

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Monument und Geschichte

Geschichte

Die Queichlinien wurden als Feldbefestigungen im Österreichischen Erbfolgekrieg ab 1743 erbaut. Sie reichten von Annweiler über Landau bis zum Rhein. Französische Quellen rechnen nur den Abschnitt von Landau bis zum Rhein dazu.
Östlich von Queichheim konnte die Queich ab 1744/45 vollständig umgeleitet werden. Für großflächige Überschwemmungen wurden ca. 30 Dämme mit vorgelagerten Schanzen errichtet.
Die Linien wurden von französischen Militäringenieuren (u.a. Cormontaigne) geplant. Die Kurpfalz, mit dem Oberamt Germersheim fast ausschließlich betroffen, war in diesem Krieg mit Frankreich verbündet und unterstützte den Bau.
Nach dem Friedensschluss 1748 zeigte sich nun eine politische Dimension der Linien. Es war aus französischer Sicht sinnvoll, die Linien weiterhin zu unterhalten und den Bereich zwischen der Festung Landau und dem Rhein so auf Dauer zu kontrollieren. Eine vertragliche Grundlage wurde mit dem Schwetzinger Vertrag zwischen Frankreich und Kurpfalz 1766 erreicht.
Mit dem Beginn der Revolutionskriege 1792 wurden die Umwallungen von Offenbach, Ottersheim und Bellheim mit neuen Schanzen verstärkt, am nördlichen Ortseingang von Hördt eine Redoute erbaut, deren Graben noch heute die Umrisse der eingeebneten Anlage zeigt.
Nachdem das gesamte linke Rheinufer Teil Frankreichs geworden war, hatten die Queichlinien ihre militärische Bedeutung verloren. Nach der Abdankung Napoleons 1814 orientierte sich die Grenze des Königreichs Frankreich zunächst an den Queichlinien.
https://www.wochenblatt-reporter.de/bellheim/c-lokales/die-queichlinie-wie-die-geschichte-oesterreichs-bei-bellheim-geschrieben-wurde_a284088
Erst nach Napoleons endgültiger Niederlage bei Waterloo wurde die Grenze zwischen Frankreich und den deutschen Staaten an die Lauter verlegt, so dass die Südpfalz 1816 Bayern zugeschlagen wurde.
10 Jahre später waren die Linien bis auf geringe Reste geschleift.

Quelle: Plan napoleonischer Verteidigungungsanlagen
Quelle: Die Queichlinie an der Mittelmühle
Quelle: Plan Albersweilerer Kanal 1812
Quelle: © Verbandsgemeinde Bellheim

Architektur

In den Jahren 1688 bis 1691 war die Festung Landau von Frankreich mit großem Aufwand neu errichtet worden und dafür der 12 km lange Albersweilerer Kanal (1688 -1691) errichtet, eine schiffbare Verbindung von Landau zum Steinbruch von Albersweiler. Er verlief parallel zur Queich und wurde mit deren Wasser gespeist. Von dieser zweitältesten künstlichen Wasserstraße Deutschlands sind noch Reste erhalten, so die Schleusen, mit denen das Bachwasser in den Kanal abgeleitet wurde. Hauptaufgabe der Festung Landau war, den Zugang zum Elsass gegen Angriffe von Norden zu verschließen, wie von Marschall Vauban, dem Festungsbaumeister Ludwig XIV. in einer Denkschrift von 1687 klar dargelegt wurde. Da eine Festung mit selbstverständlich beschränkter Ausdehnung aber ohne Weiteres umgangen werden konnte, wurden später mehrere befestigte Linien entlang größerer Bäche angelegt, nämlich die Moder-, Lauter-, Queich- und Speyerbachlinien. Die Queichlinien reichten dabei von Annweiler über Landau bis zum Rhein, zunächst bei Germersheim, letztendlich bei Hördt. Zwischen Annweiler und Landau gab es keine durchgehende Befestigung, sondern lediglich einzelne Schanzen, ab Albersweiler diente der für den Festungsbau angelegte Kanal bis Landau als Graben der Linie. Von der Queich wurde durch einen kleinen gemauerten Kanal auf der Höhe der heutigen Stadtbibliothek (Schleuse 121) in Landau Wasser für die Queichlinien abgeleitet, das aber lediglich der Wasserversorgung das Grabens bis Queichheim diente. Ab der Queichheimer und der Mörlheimer Mühle (heute Paulusstift) konnte die Queich ab 1744/45 aufgestaut und vollständig in ein Grabensystem geleitet werden, dass zum großen Teil aus bestehenden kleinen Wasserläufen wie Birnbach, Brühlgraben und Spiegelbach bestand. Lücken zwischen den natürlichen Wasserläufen wurden mit künstlichen Gräben geschlossen. In Abständen von wenigen hundert Metern wurden Dämme gebaut, um großflächige Überschwemmungen der ausgedehnten Wiesenflächen zu erreichen. Auf der Feindseite der Dämme, also im Norden, wurden Dreiecksschanzen zum Schutz der Dämme errichtet, teilweise mit Schenkellängen von über 100 Metern. In der Gemarkung Bellheim, wo schon große Höhenunterschiede im Übergangsbereich des Spiegelbachs zur Rheinniederung vorhanden sind, wurden zwei Dämme mit Stauhöhen von sechs und neun Metern errichtet, von denen noch Reste erhalten sind. Der größere der beiden Dämme, direkt am Hochufer des Rheins beim Eintritt des Spiegelbachs in die Rheinniederung gelegen, war etwa 110 Meter lang, am Fuß etwa 50 Meter, an der Krone noch 10 Meter breit, die Krone erhob sich 10 Meter über dem Talgrund. Da die Dämme der Queichlinien aber nur mit Reisigbündeln (Faschinen) und in der Umgebung gefällten Bäumen verstärkt waren, konnten die beiden hohen Dämme dem Wasserdruck nicht lange standhalten und brachen schon spätestens nach zwei Jahren (vermutlich 1747/48). Da der größer dieser beiden Dämme und seine Schanze im Wald lagen, blieb die Schanze als einzige weitgehend erhalten, alle anderen wurden nach der endgültigen Auflassung der Linien eingeebnet.
Ein im Stadtarchiv Landau und dem Militärarchiv in Vincennes (SHD) erhaltener Atlas aus dem Jahr 1774 bezeichnet nur den Abschnitt von der Festung Landau bis zum Rhein als Queichlinien „Die Queichlinien wurden 1743 begonnen, am Rand des Sumpfes von Landau bis zu der unpassierbaren Niederung zwischen Bellheim und Hördt.“ Frühere Datierungen der Queichlinien, die teilweise einen Bau bereits parallel zur Festung Landau oder während des Spanischen Erbfolgekriegs annahmen, sind angesichts der guten Quellenlage obsolet. Während des Österreichischen Erbfolgekriegs wurde nach den Anfängen im September 1743 bis 1748 mehr oder weniger ständig an den einzelnen Werken gebaut, mit Schwerpunkten in den Jahren 1745/46.
Der Bau der Linien brachte enorme Belastungen und Schäden für die Bevölkerung mit sich. Da der zwischen Landau und Bellheim fast durchgehende Wall und Graben auch nahe an den Dörfern gebaut wurde, waren dort die Hausgärten betroffen, die laut zeitgenössischen Karten in großer Zahl vorhandenen Obstbäume wurden gefällt. Die drei damals in Bellheim vorhandenen Mühlen wurden „bis unter das Dach“ unter Wasser gesetzt und konnten mindestens bis 1753 nicht genutzt und mussten dann vollständig erneuert werden. Ein Müller wechselte den Standort und gründete 1756 die Bellheimer Obermühle.
Zum Bau der Linien wurde nicht nur die ortsansässige Bevölkerung der Kurpfalz im Frondienst, sondern Arbeiter aus dem Elsass und Lothringen bis hin zur Franche Comté rekrutiert. Da die Verpflegung dabei nicht oder schlecht organisiert war, mussten sich die auswärtigen Arbeiter von den Äckern und Gärten der Dörfer an den Linien ernähren.

Quelle: ©Verbandsgemeinde Bellheim
Quelle: © Verbandsgemeine Bellheim
Quelle: ©Esther Grüne_Südpfalz-Touristik
Quelle: © Verbandsgemeinde Bellhein

Naturerlebnis

Das Naherholungsgebiet, der Bellheimer Wald mit seinen Rad- und Wanderwegen, die Sehenswürdigkeiten in den einzelnen Gemeinden, der Schwimmpark in Bellheim und weitere Freizeitmöglichkeiten bieten sowohl für Erholungssuchende als auch für Aktivurlauber viele Möglichkeiten.
Queichwiesen - Immaterielles Kulturerbe Wiesenbewässerung
Queichwiesen - Immaterielles Kulturerbe Wiesenbewässerung

Quelle: ©Verbandgemeinde Bellheim
Quelle: ©Verandsgemeine Bellheim
Quelle: © Verbandgemeinde Bellheim
Quelle: ©Verbandsgemeine Bellheim

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