Europäische Kulturroute Festungsmonumente - FORTE CULTURA®


Feste Boyen Polen

Preußische Festungsarchitektur im Herzen der Masurischen
Seenplatte

Geschichte zum Anfassen in einer der reizvollsten Landschaften Europas

Die Feste Boyen in Gizycko (ehem. Lötzen) wurde ab 1844 zur Grenzsicherung der Provinz Ostpreußen gegen eine mögliche Bedrohung aus Osten errichtet und in den Folgejahren zu einem Festungssystem ausgebaut. Die natürliche Barriere der Großen Masurischen Seen ließ nur wenige komfortable Ost-West-Passagen zu. Lötzen lag an strategisch wichtiger Stelle inmitten des Seengebiets und bildete bereits einen bedeutenden Straßen- und Eisenbahnknoten im Seengürtel. So war die Feste Boyen Schauplatz von Kampfhandlungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg und musste ihre Wehrhaftigkeit vielfach unter Beweis stellen. Persönlichkeiten wie Kaiser Wilhelm II., Prinz Joachim von Preußen weilten hier und die Biographien preußischer Generäle wie Hindenburg und Ludendorff sind mit der Feste Boyen verbunden.

Entdecken Sie mit FORTE CULTURA® die spannende Geschichte des vergleichsweise jungen Festungssystems im „Land der 1000 Seen“. Die Feste Boyen und die Stadt Gizycko sind heute touristische Highlights der Region Masuren und ziehen mit ihren vielfältigen kulturellen Angeboten jedes Jahr viele regionale und internationale Besucher an.

Reiseempfehlungen

Erlebnisangebote

Lötzener Tor mit Kaponniere

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Das Lötzener Tor im Nordosten bildet den Hauptzugang zur Feste von der Stadt aus. In Form von zwei hintereinander liegenden Toren mit Zugbrücke war es auch am stärksten befestigt. Die vorgelagerte U-förmige Kaponniere ermöglichte es, den Gegner entlang des Festungsgrabens unter Beschuss zu nehmen.

Die Kaponniere ist heute Standort der “Tawerna Boyen“, die ihre Besucher mit moderner Gastronomie verwöhnt, wahlweise im ruhigen Biergarten oder im historischen Festungsgewölbe. Der Zugang befindet sich zwischen dem ersten und zweiten Tor. Mehr Informationen

Stall mit Kutscherhaus im Festungshof

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Der Pferdestall mit Wagenschuppen wurde ca. 1887 errichtet. Die Pferde wurden hauptsächlich benötigt, um Kanonen und Munitionswagen in der Feste zu verschieben. Das sehenswerte Gebäude wurde 2015 modernisiert, und für Ausstellungen ausgestattet.

So beherbergt das Erdgeschoss unter anderem Holzkarren, Geschirr, Sättel, eine Kutsche und einen Löschkarren aus dem 19. Jh., eine Schweizer Feldküche aus dem frühen 20. Jh., militärische Zugfahrzeuge aus der Zwischenkriegszeit sowie ein Jagdfahrzeug aus dem ehemaligen Ostpreußen.
Die Wände zieren Fotografien aus Lötzen aus dem Jahr 1915 und im Obergeschoss werden wechselnde Ausstellungen gezeigt. Mehr Informationen

Festungsgraben mit Amphitheater

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Vor der östlichen Flanke der Feste wurde in den 1980er Jahren in einem Teil des historischen Festungsgrabens ein großes Freilichttheater für Kulturveranstaltungen angelegt. Zwischen der Bastion Schwert und der Bastion Recht können seither bis zu 3.500 Personen ein vielfältiges Kulturprogramm genießen.
Das Amphitheater ist erreichbar durch das Pulver-Tor. Mehr Informationen

Kaserne „Miecz“ in der Bastion Schwert

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Betritt man die Feste Boyen durch das Lötzener Tor, befindet sich linkerhand mit der Kaserne „Miecz“ eines von drei Kasernengebäuden. Ursprünglich konnten hier bis zu 500 Soldaten auf zwei Etagen untergebracht werden, bis zu 2.500 in der gesamten Festung.

Die Kaserne „Miecz“ beherbergt heute im Erdgeschoss ein interessantes Museum mit vielen Exponaten zum alltäglichen Leben in der Festung sowie ein Festungsmodell. Eine Sonderausstellung ist der Geschichte der „Solidarność”-Bewegung in Giżycko gewidmet.

Wer noch tiefer in das Soldatenleben eintauchen möchte, kann sich in der Jugendherberge im Obergeschoss der Kaserne einquartieren, dessen Zimmer im Soldatenstil eingerichtet sind. Mehr Informationen

Waffenmeister-Werkstatt

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Die Werkstatt des Waffenmeisters befindet sich im Festungshof. Hier befanden sich Schmiede- und Werkstatträume, in denen die Waffen der Feste und ihrer Besatzung repariert wurden (außer Artilleriewaffen).

Das vollständig sanierte Gebäude informiert heute mit einer kleinen Ausstellung über die Aufgaben eines damaligen Waffenmeisters. Auf dem Platz vor der Werkstatt können sechs Nachbildungen von Artilleriewaffen bestaunt werden. Mehr Informationen

Schießpulverlabor in der Bastion Recht

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Das in der Bastion Recht unter den Festungswällen versteckte Pulver-Laboratorium wurde ebenfalls aufwendig restauriert und beinhaltet heute eine Ausstellung über militärische Ausrüstungen sowie zu Waffen aller Art und ihrer Zerstörungskraft. Hauptausstellungsstück ist die Nachbildung der 12cm Ring-Kanone aus dem Jahr 1871.

Weiterhin informiert ein Film von Bogusław Wołoszański über die Feste Boyen. Mehr Informationen

Weitere interessante Objekte in der Feste Boyen

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In der Feste Boyen lassen sich noch viele weitere spannende Orte und Geschichten entdecken. Dazu zählen die Bastionen Ludwig, Leopold, Hermann und Licht und das Rastenburger Tor.

Spannend ist auch das Wassertor, welches einen direkten Zugang zum Löwentin-See (Niegocin) bot und über eine Kippbrücke die Versorgung der Festungsbesatzung auf dem Wasserweg ermöglichte.

Ebenso das versteckte Pulvertor zwischen den Bastionen Recht und Schwert, auch Kriegstor genannt. Im Verteidigungsfall wurden über dieses Tor außerhalb der Feste befindliche Einheiten mit Munition versorgt. Mehr Informationen

ehem. befestigtes Schloss Lötzen in Gizycko

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Das befestigte Schloss Lötzen an der Landenge außerhalb der Feste geht auf eine Burg des Deutschen Ordens aus dem 13./14. Jahrhundert zurück. Sie war Teil einer ganzen Reihe von Grenzburgen des Deutschen Ordens in dieser Zeit.
Durch bewaffnete Auseinandersetzungen wurde sie mehrfach zerstört und wiederaufgebaut.1560 und 1614 wurde es im Stil der Spätrenaissance als sogenanntes befestigtes Schloss errichtet, mit bastionären Befestigungen zur Verteidigung. Nach der preußischen Säkularisierung wurde es als Jagdschloss verwendet und nach dem Bau der Feste Boyen vom Festungskommandanten bewohnt.

Einer der vier Flügel des Schlosses ist bis heute erhalten geblieben, die anderen drei wurden 2011 mit Backsteinfassade neu errichtet. Ein Hotel mit Jachthafen, Spa und Restaurants der gehobenen Gastronomie verwöhnt auch anspruchsvolle Festungsbesucher, direkt an der militärstrategischen Drehbrücke von 1889 über den Kanal Łuczański (Lötzener Kanal).

Hotel St. Bruno
ul. Św. Brunona 1
11-500 Giżycko, Polen
T:+48 877 326 500
E:recepcja@hotelstbruno.pl

Touren und Informationen

Feste Boyen und Stadt Gizycko erleben

Fahrrad-Rallye

Jährliche Fahrrad-Rallye zu den "Masurischen Festungen" mit mehreren Strecken für Kinder und Eltern.

Standortplan

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Monument und Geschichte

Geschichte

Die strategische Lage Lötzens als eines der wenigen „Tore“ durch die natürliche Barriere der Masurischen Seen war offensichtlich. Bereits während des Zweiten Nordischen Krieges um die Vorherrschaft im Baltikum 1655-60 und später in den Koalitionskriegen (1807) sowie während Napoleons Russlandfeldzuges 1812 galt Lötzen als wichtiger Durchgangsort für große Kampfverbände.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann das Deutsche Kaiserreich mit Überlegungen, die Ostpreußischen Grenzen gegen eine mögliche Bedrohung von Osten zu sichern, schnell rückte dabei auch Lötzen in den Fokus. Mit dem Abkühlen der diplomatischen Beziehungen zu Russland gab es keine Zurückhaltung mehr, am 4. September 1844 wurde im Auftrag König Friedrich Wilhelm IV. um 18.00 Uhr feierlich der Grundstein für den Bau der Feste Boyen gelegt. Im Verlauf der Bauarbeiten bis 1860 entstand ein preußisches Artillerie-Sperrfort mit sechs Bastionen (s. Architektur), das Platz für bis zu 2.500 Soldaten bot.

1860 bezogen die ersten Regimenter feierlich Quartier in der Feste. Bis etwa 1913 erfolgten stetige Modernisierungsmaßnahmen und der schrittweise Umbau von der ursprünglich selbständigen Feste zu einem starken artilleriebewehrten Sperrfort. Vor dem I. Weltkrieg wurden zudem massive Feldstellungen im Seengürtel rund um Lötzen angelegt, die sogenannte Masurische Seenstellung.

Im kurz darauf beginnenden Ersten Weltkrieg kam es Ende 1914 zu vielen Kampfhandlungen in und um Lötzen, die erfolgreich abgewehrt wurden. Im weiteren Verlauf fand die erste Schlacht an den masurischen Seen statt, in welcher Russland den deutschen Truppen unterlag. Die Feste Boyen war dabei ein wichtiger Ausgangspunkt und Eckpfeiler der ostpreußischen Front. Anschließend wurden die Feldstellungen auf bis zu 255 Betonbauten erweitert und widerstanden allen russischen Attacken. Zum Ende des Ersten Weltkrieges avancierte die Feste Boyen zu einem Symbol des deutschen Widerstandes und hochrangige Persönlichkeiten des Deutschen Reiches besuchten den Standort, u.a. Kaiser Wilhelm II., Prinz Joachim von Preußen, Admiral Tirpitz sowie der bayerische Thronfolger.

Die Werke der Süd- und Ostgrenzen Deutschlands waren von den Abrüstungsforderungen der alliierten Siegermächte des 1. Weltkrieges ausgenommen. Die Feste Boyen wurde in der Zwischenkriegszeit penibel instandgehalten und diente als symbolträchtiger militärischer Ausbildungsstandort.

Ab 1936 wurden die Feldstellungen weiter befestigt. Im Zweiten Weltkrieg diente der Befestigte Raum Lötzen der Sicherung des Hinterlandes der Ostfront. Mit den Bunkerkomplexen Wolfsschanze, Mauerwald und Hochwald entstanden nördlich von Gizycko zahlreiche Führungsstandorte.

Mit den zunehmenden Erfolgen der sowjetischen Streitkräfte und der sukzessiven Verschiebung der Ostfront in Richtung Deutschland, wurde Lötzen als wichtiger Standort weiter verstärkt und Ende 1944 mit Personal, Waffen und Nahrung ausgestattet. Der kalte Winter führte jedoch zu dicken Eisschichten auf den Masurischen Seen, auf denen sogar Panzer fahren konnten. Damit stand der russischen Offensive nichts mehr im Wege. Lötzen verlor ohne die natürlichen Barrieren seinen Verteidigungswert. Der Standort wurde bis auf wenige Verteidiger evakuiert und am 26. Januar 1945 nach geringen Kampfhandlungen eingenommen.

Bis 1956 war die Feste Ausbildungsstandort der Polnischen Volksarmee und Ausgangspunkt für Minenräumungen und systematische Sprengungen der Feldstellungen. 1957 wurde die Feste Boyen ausgemustert und den zivilen Behörden übergeben. 1973 unter Denkmalschutz gestellt, aber zahlreichen Diebstählen und Brandstiftungen ausgesetzt, wurde ab 1993 durch den Verein der Liebhaber der Feste Boyen mit ersten Erhaltungsmaßnahmen begonnen.

Seit 2009 wird das Objekt vom Giżyckie Centrum Kultury (Lötzener Kulturzentrum) verwaltet und zunehmend touristisch in Wert gesetzt. Mit der Mitgliedschaft im Europäischen Festungstourismus und Festungsmarketing Netzwerk 2019 wird die Feste Boyen Station der Europäischen Kulturroute Festungsmonumente FORTE CULTURA®.

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Architektur

Die sternförmige neupreußische Feste wurde nach Entwürfen von General Ernst Ludwig von Aster und Oberst Johann von Bress-Winiary von 1844 bis 1860 errichtet. Drei der sechs Bastionen der Feste erhielten die Vornamen des Generals von Boyen: Hermann, Ludwig, Leopold und drei wurden nach Symbolen des Familienwappens Schwert, Recht und Licht benannt. Vier Tore mit neugotischen Elementen ermöglichten die Zufahrt, das Lötzener und Rastenburger Tor, das Wasser- und das Pulvertor. Im Inneren der Feste befinden sich zahlreiche Funktions- und Wirtschaftsgebäude wie dreigeschossige Kasernen, Bäckerei, Pulvermagazine, Waffenmeister-Werkstatt u.v.m.

Eine 2303 m lange und bis zu 5 m hohe freistehende Carnotmauer mit Schießscharten umgab die Feste. Davor und dahinter befanden sich der innere und der äußere Wall, getrennt durch Festungsgräben ohne Wasser. Weitere Elemente waren u.a. kasemattierte Bastionen, Artilleriezwinger in den Bastionsschultern und die Kaponniere am Lötzener Tor.
Ab etwa 1870 begann ein langer Prozess umfangreicher Modernisierungen zur Verstärkung der Festung als Reaktion auf die sich rasant weiter entwickelnden Waffentechnologien und die Einführung von Brisanzgranaten. Wände und Wälle wurden zusätzlich verstärkt, Gewölbe mit einer Betonschicht versehen, Magazine und Infanterieschutzräume angelegt sowie drehbare und gepanzerte Infanteriewachtürme installiert.

Ab Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte der Bau der befestigten Feldstellungen zur Sicherung des Standorts und der Region. Die umfangreich bebilderte Broschüre von Robert Kempa „Die Feste Byoen in Lötzen“ (ISBN-13: 978-8361349167) beschreibt ausführlich die Geschichte und die Bauentwicklung der Festung.

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Naturerlebnis

Die Feste Boyen liegt nicht nur als Festung strategisch günstig auf einer Landenge zwischen den Seen sondern auch sehr zentral mitten im Land der 1000 Seen und damit in einer der reizvollsten Landschaften Europas.

Gizycko wird gern als die „Sommerhauptstadt Polens“ bezeichnet. Die attraktive Naturlandschaft stellt eine ausgezeichnete Basis für jegliche Form der aktiven Erholung dar. Angebote für Radtoren, Segel- Hausboot- und Paddelbootausflüge, Schwimmen und Tauchen, Ballsport im und am Wasser lassen keine Wünsche offen. Naturkundliche Wanderungen zu den Wisenten im Vogelparadies Borecka-Urwald, Reitausflüge, Trips zum Pilze sammeln oder Angeln ergänzen das vielseitige Programm.

Direkt an der Feste Boyen laden ein Wake-Park und ein Hochseilgarten zum aktiven Naturgenuss. Auch die kalten Winter Gizyckos bieten mit Eissegeln, Schlittschuh- und Schneemobilfahren, Eisangeln, Eistauchen oder (Pferde-)Schlittenfahrten Naturgenuss pur, genauso wie das Skigebiet im 28km entfernten Okrągłe mit Schleppliften.

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